Um 1293 wählten Tolberto Da Camino, bereits Podestà von Treviso, und seine Frau und Cousine Gaia Portobuffolè zu ihrem offiziellen Wohnsitz und wurden 1307 dessen “Herren”. Besonders Gaia war eine sehr berühmte Adelige im Norden Italiens, sodass sie von Dante in der Göttlichen Komödie erwähnt wurde, um die Seele ihres Vaters Gherardo zu beschreiben, den der toskanische Dichter auf dem Berg des Purgatoriums traf:
“der gute Gherardo
…weitere Bezeichnung kenne ich nicht,
( Purgatorium, Gesang XVI )
Die Architektur von Casa Gaia Da Camino ist ein Beispiel für ein mittelalterliches Wohnturmhaus mit einer Fassade, die von dreilappigen Fenstern mit Lotossäulen verschönert wird.
In der Regel befanden sich im Erdgeschoss die Vorratsräume und die Räume für die Dienerschaft. Der erste der oberen Stockwerke war das sogenannte noble Stockwerk, bestehend aus einem großen Empfangssaal (die caminata) mit Kamin. Dieser Raum war wahrscheinlich neben den Schlafzimmern der Herren angeordnet. Höher wohnten die Angestellten und die Sklaven. In den prestigeträchtigeren Wohnhäusern wurden die Küchen direkt unter dem Dach untergebracht, um Brandherde zu vermeiden, die, wenn sie vom Erdgeschoss ausgeheizt wurden, das gesamte Haus hätten zerstören können.
Angesichts der Bedeutung der Familie Da Camino ist es plausibel, dass die Küchen im obersten Stockwerk untergebracht waren, das heute leider beeinträchtigt ist.
Derzeit ist der wertvollste Aspekt von Casa Gaia das Fresko, das auf das 14.-15. Jahrhundert datiert wird.
Die oberen Stockwerke zeigen angenehme Malereien, deren Thema die höfische Realität ist, mit Besuchen des Umlandes, Kriegern mit ihren aufwendigen Rüstungen, Personifikationen der Wissenschaften, die den kulturellen Zirkus symbolisieren, der sich allgemein um eine Adelsfamilie versammelte, und Landschaften, die in der empirischen Perspektive des gotischen Stils eindrucksvoll sind. Die Volkstimme stellt sich vor, dass in den beiden monochromen Figuren, die das Fenster des Flurs im ersten Stock einfassen, die Porträts von Tolberto und Gaia Da Camino zu erkennen sind, die fast die Gäste willkommen heißen.
Bis heute ist die Autorschaft dieses Werkes unbekannt. Im ersten Stock ist eine Zuschreibung in Abkürzung (P.E.F) geschrieben, die noch nicht verstanden ist. Es ist üblich, in Anwesenheit von Abkürzungen das “F” mit den lateinischen Begriffen “fecit” (machte) oder “fecerunt” (machten) zu interpretieren, wobei leider die unbekannte Zahl der Personen, die es ausgeführt haben, bleibt.
Einige Teile unterscheiden sich durch eine stilistische Reife, die nicht einfach den Biografien der Ausführenden zugeschrieben werden kann, sondern notwendigerweise kulturellen Entwicklungen in großem Maßstab. Daher ist es korrekt zu behaupten, dass hier, in Casa Gaia Da Camino, die Modalitäten, durch die der Übergang vom gotischen Stil zur Renaissance im Gebiet von Alto Livenza stattfand, dokumentiert sind.