Piazza Vittorio Emanuele II ist auch heute noch das Zentrum der Stadt und der wichtigste Marktplatz, auf dem der Palazzo Vaccari, das heutige Rathaus, steht. Das Gebäude, das erst kürzlich nach einer fachmännischen Restaurierung an die Gemeinde zurückgegeben wurde, war im 20. Jahrhundert die wichtigste Grundschule der Stadt. „Educa e sperare“ (erziehen und hoffen) lautet die Inschrift auf der Rückseite des Gebäudes: Die Inschrift wurde vom damaligen Bürgermeister Antonio Schiratti in Auftrag gegeben, einer wichtigen Figur in der Geschichte von Pieve di Soligo, die sich für die Bildung der ärmeren Bevölkerungsschichten und insbesondere der Frauen einsetzte.
Im Palazzo Vaccari wird auch ein anderer berühmter Pievigino gefeiert: Andrea Zanzotto, einer der größten Dichter des 20. Jahrhunderts in Italien und Europa. 1921 hier geboren, machte er Pieve di Soligo zu einer wahren Hauptstadt der Poesie, und die Stadt zollt ihm auch heute noch in vielerlei Hinsicht Tribut, angefangen bei dem Drahtgeflecht, mit dem der Künstler Mario Martinelli den Schatten des Dichters dargestellt hat. Mit der Hügellandschaft im Hintergrund erinnert man sich an Andrea Zanzotto, wie er spazieren ging - mit seiner den Einwohnern von Pieve vertrauten Gestalt, die durch einen langen Schal und eine Mütze gekennzeichnet war, die er immer bei kaltem Wetter trug - begleitet von seinem Vers „Lontan massa son 'ndat pur stando qua“ („Ich bin sehr weit gegangen, während ich hier blieb“), der seine Beziehung zu seinem Heimatland symbolisiert.