Treffen wir uns jetzt auf dem Platz vor San Zeno: auch von außen ist die Basilika ein wahres Meisterwerk! Die Kirche wurde um die Jahrhundertwende vom 8. zum 9. Jahrhundert auf dem Grab des heiligen Zeno errichtet, eines der beliebtesten Bischöfe Veronas, der heiliggesprochen wurde und Stadtpatron von Verona ist.
Nach dem Erdbeben von 1117, das einen Großteil der Veroneser Gebäude zerstörte, wurde San Zeno in relativ kurzer Zeit wiederaufgebaut und zwar von 1120 bis 1138. Du meinst vielleicht, dass dies eine lange Zeit ist, aber bedenke, dass man damals ohne Kräne, Bagger und all die modernen Maschinen baute, so dass Jahrzehnte für den Bau vergingen. Das Ergebnis ist hervorragend, denn die Kirche behält so ihren einheitlichen und harmonischen romanischen Stil.
Sieh dir die Fassade an: wenn du ein Fernglas dabeihast, kannst du alle Personen erkennen, die die zahlreichen Bilder aus Stein beleben…Zu jener Zeit konnten nur wenige Menschen lesen und schreiben, daher waren diese Skulpturen wie Bücher, die zu dem Besucher sprachen und von den heiligen Schriften erzählten...und jedes Mal wenn man in die Kirche ging, wiederholte man das, was man vorher "gelesen" hatte. Die großen Tafeln auf den Seiten des Portals sind richtige Erzählungen in Bildern. Schau dir jetzt die Bronzetüren an: für viele Besucher sind sie der wunderbarste Teil dieser Kirche. Jede ist aus 24 Tafeln zusammengesetzt, die die Geschichten des Alten und Neuen Testaments erzählen, sowie die Wunder des heiligen Zeno und das Leben anderer Heiliger. Wir wissen nicht, wer die Künstler waren (es waren mindestens zwei, zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert). Uns erstaunt aber die unglaubliche Lebendigkeit der Figuren, die wirken, als wollten sie aus dem Bild heraustreten und selbst etwas erleben.
Schauen wir uns nochmal die Fassade der Kirche an, um die prächtige Rosette zu bewundern, die das "Glücksrad" genannt wird. Sechs Figuren stehen im Kreis und erzählen die Geschichte der Menschheit, und eine lateinische Inschrift an der Seite bedeutet übersetzt (versuch mal, sie laut zu lesen!):
"Ich, das Glück, bestimme das Schicksal der Sterblichen, ich erhebe, ich erniedrige, schenke alles Gute und alles Böse; ich bekleide die Nackten, ich entkleide die Reichgeschmückten. Wer mir vertraut, wird verlacht von dannen gehen."
Der Steinmetz hat sein Werk signiert, er heißt Meister Brioloto. Gewöhnlich betritt man die Kirche auf der linken Seite, nachdem man den wunderschönen Kreuzgang durchschritten hat. Dieser ist der Rest einer bedeuteten Benediktinerabtei. Geh einmal rundherum und "studiere" in jeder Ecke das Spiel der Perspektive, die sich aus den langen Reihen der Säulen ergibt; versuche auch all die Tiere zu erkennen und die Symbole, die in die Steine gemeißelt sind und auf den Grabplatten, die du in den Gängen findest…Viele berühmte Persönlichkeiten sind hier bestattet. Könige und Kaiser besuchten die Abtei und hielten sich hier auf.
Wenn du jetzt in die Kirche trittst, vergiss nicht, dass du dich ruhig und korrekt verhalten sollst, weil es sich um einen heiligen Ort handelt, der immer respektiert werden soll, so wie man das an allen heiligen Orten tut. Du wirst sofort sehen, dass der Innenraum unterteilt ist. Es handelt sich um einen dreischiffigen Innenraum, die Decke ähnelt einem Schiffsrumpf…ein Ausdruck aus der Seemannssprache, der den Bau des Gebäudes als einem Schiff ähnlich erklärt. Dann ist da eine Oberkirche (du musst ein paar Stufen nach oben steigen und über eine Balustrade erreichst du den Altar) sowie eine Krypta. Dort ist das Grab des heiligen Zeno. Wenn du ihn ehren möchtest, geh die Treppe nach unten und durchquere einen "Wald" von wunderschönen Säulen…sieh dir die Kapitelle genau an, dort findest du viele faszinierende Figuren. Jetzt zeigen wir dir vier Dinge hier im Kirchenraum, die du unbedingt sehen musst und die du alleine finden sollst:
1. Eine riesige Schale aus ägyptischem Porphyr….(eine kleine Hilfe: eine Schale aus rotem Marmor).
2. Das Triptychon von Andrea Mantegna (es besteht aus drei zusammenhängenden Bildern).
3. Den Löwen und den Ochsen aus rotem Marmor (Symbole, die zwei Heilige darstellen).
4. Der heilige San Zeno, der lächelt!
Wir verabschieden uns von unserem Heiligen und gehen über den großen Platz (auf dem jedes Jahr im Februar ein Volksfest stattfindet, das kein Veroneser verpassen möchte: "das Klößchenfest") und dann weiter nach links auf eine Straße, die entlang der Etsch verläuft und Regaste San Zeno heißt. Geh die Treppe hinauf, die zu einer Böschung führt, von wo aus man den Fluss gut sehen kann. Vor uns liegt ein wunderschönes Panorama…Dann geh zur kleinen Kirche San Zeno in Oratorio (San Zenetto) hinunter, die sich auf der anderen Straßenseite befindet. Es lohnt sich, durch einen hübschen Garten zu gehen, von wo aus man rechter Hand den riesigen Stein sieht, auf dem angeblich San Zeno gesessen habe, während er angelte!
Wenn du jetzt auf der Straße weitergehst, die du vorhin verlassen hast, siehst du die Mauern einer großen alten Burg: du bist am Castelvecchio angekommen. Wenn du die Mauern entlanggehst, siehst du die befestigte Steinbrücke, die sich über die Etsch spannt. Als diese Brücke wenige Jahre nach der Burg gebaut wurde, war sie ein Wunder der Technik der damaligen Zeit…Perfekt um die Burg vor Feinden zu bewahren, aber auch als Bollwerk gegen die furchtbaren Hochwasser der Etsch. Sicher ist dir nicht entgangen, dass die drei Bögen, die von mächtigen Pfeilern gestützt werden, alle unterschiedlich sind. Der erste Bogen, der an die Burg anschließt, ist 42 Meter breit, so dass der Fluss ungehindert hindurchfließen kann, genau an dem Punkt, an dem das Flussbett 120 m breit ist und ein Bogen das Wasser schneller fließen lässt. Auf der anderen Seite der Brücke befand sich in alten Zeiten der Garten des Herrschers. Heute ist es ein viel besuchter Spielplatz…Jetzt gehen wir in die Burg hinein und zwar über die Zugbrücke, und wir sehen sofort, dass der frühere große Waffenplatz verschönert und in einen Park mit Brunnen und Wasserspielen umgewandelt wurde: Alle Gebäude, die du hier siehst, haben in den Jahrhunderten viele Umbauten erfahren.
Am Eingang befindet sich der Kartenverkauf und du stehst am Beginn einer Reihe von Sälen, die die Geschichte der mittelalterlichen Veroneser Bildhauerei anhand von Statuen, Reliefs, Dekorationsfragmenten und architektonischen Elementen erzählen: Vielleicht hast du Spaß daran, um die Figuren herum zu gehen und Einzelheiten festzustellen, die zu entdecken du inzwischen gelernt hast! (Weitere Informationen kannst du auf den Blättern finden, die in den Sälen ausliegen.) Wenn du durch die Glastür gehst, bleibe kurz vor der Bronzeglocke stehen, die du rechts findest…ihr Läuten erfreute die Piazza Erbe um 1300 (sie stammt aus dem Gardello-Turm) und wenn du genau hinschaust, siehst du, dass auch hier San Zeno beim Angeln dargestellt ist.
Wenn du jetzt unter dem alten Morbiotor durchgehst, stehst du im Hausgarten des Skaligerpalastes, den du über den Mastio-Turm (42 m hoch) erreichst. Im ersten Stock des Palasts kannst du das alte Schwert des Cangrande I. della Scala sehen, eines großen Herrschers, der 1329 starb: gleich daneben siehst du wertvolle Juwelen der gleichen Epoche, mit denen sich Männer und Frauen der Familie schmückten.
Wenn du im vierten Saal des Museums stehen bleibst und dich umdrehst, kannst du die Fresken sehen, die wie durch ein Wunder unbeschädigt blieben. Sie sehen aus wie antike Stoffe, deren Muster uns in den Orient entführen…In demselben kleinen Saal solltest du die beiden gegen die Wand im Hintergrund gerichteten Bilder beachten, die zu den schönsten der ganzen Sammlung gehören: Madonna im Rosenstrauch von Stefano di Giovanni und die Wachtel-Madonna von Pisanello (auch zu diesen findest du weitere Informationen auf den Infos im Ausstellungsraum).
Wir gehen jetzt schnell in den zweiten Stock des Palastes, und wenn du möchtest, kannst du noch weitere Meisterwerke betrachten oder aber direkt in den Burgfried, den Mastio-Turm, hineingehen, dann befindest du dich in der Waffenkammer, in der Schwerter, Schilde, Helme, Teile von Rüstungen, Hellbarden, Falchions, Morgensterne zu bestaunen sind…da fehlt wirklich nichts! Wenn wir jetzt wieder ins Freie gehen, stehen wir nun vor der Reiterstatue von Cangrande I. della Scala.
Bei dieser berühmten und besonderen Statue kannst du viele faszinierende Einzelheiten suchen und finden.
Wir verabschieden uns von unserem großen Freund und gehen in die Galerie: viele bedeutende Gemälde berühmter Maler, die bis zum 18. Jahrhundert gewirkt haben, erwarten uns…Wir haben dir ja schon angedeutet, dass du auch einen sympathischen und ein bisschen frechen Typen kennenlernen wirst: ein Bürschlein mit roten Haaren…suche ihn mal im ersten Saal, in den du kommst. Zu deinem Erstaunen wirst du entdecken, dass der Junge, von dem wir reden, uns verschmitzt aus einem Bild anlächelt, das im 16. Jahrhundert von Gianfrancesco Caroto, einem großen Veroneser Maler, geschaffen wurde. Aber was zeigt er uns? Sein Ebenbild? Vielleicht hat er dich malen wollen, um sich über dich lustig zu machen…seine wahren Absichten werden wir nie erfahren! Die Schönheit dieses Bilds liegt auch in dem „Spiel“, in das es uns einbezieht, während im Bild sein Leben für einen Moment wie auf einem Foto festgehalten wird: wir würden gern erfahren, wer diese Junge ist, in seinem Blick und in seinem Lächeln entdecken wir einiges von seinem Charakter und aus seinem Leben.
Geh nun weiter, lass dich von der Fantasie verzaubern und tauche in Welt der fantastischen Geschichten ein, die dir viele der Bilder, die du sehen wirst, erklären: Wir erwarten dich am Ausgang, um unseren Weg fortzusetzen. Verlasse den Hof des Castelvecchio und überquere die Zugbrücke und halte dich rechts, Richtung Torre dell’Orologio. Das Schild, das am Turm angebracht ist, informiert dich, dass sich gleich in der Mitte der Straße ein wichtiges römisches Monument befindet: der Arco dei Gavi.
Der Arco dei Gavi befindet sich heute nicht an seiner ursprünglichen Stelle, denn er wurde 1805 von der französischen Besatzung Napoleons zerstört, da er den Durchgang der Truppen, Wagen und Kanonen versperrte. Jahrelang wurde der Rest des Bogens in der Arena aufbewahrt. Bis er 1930 endlich wiederaufgebaut wurde, nicht weit von seinem ursprünglichen Platz, in einem kleinen Park direkt an der Etsch, neben dem Castelvecchio. Schaue ihn dir gut an: Dabei kannst du auch Teile entdecken, die weniger zerstört sind als andere (es handelt sich um neue Teile anstelle der zerstörten oder verloren gegangenen Originale). Auf der Vorderseite entdeckst du einige leere Nischen, die früher Statuen enthielten. Wenn du unter dem Bogen durchgehst, dann gehst du auf den schwarzen Basaltsteinen der alten Römerstraße (wenn du genau hinschaust, siehst du noch die Furchen, die die Wagenräder hinterließen!).
An dieser Stelle schlagen wir dir zwei Möglichkeiten vor: Du kannst dir entweder vorstellen, im Verona von vor 2000 Jahren zu sein, am Arco dei Gavi loszugehen und den Corso Cavour entlangzugehen, der dem Verlauf der antiken Via Postumia folgt. Zu römischer Zeit hat sich diese Straße außerhalb der Stadt befunden, zwischen Äckern und Wiesen, umsäumt von einfachen Gräbern und Grabdenkmälern.
Wenn du diese Straße weitergehst, kannst du auf der linken Seite ganz versteckt eine kleine romanische Kirche finden: San Lorenzo. Am Ende der Straße stehst du dann vor einem Tor, das den Weg in die Altstadt freigibt: die Porta Borsari. Von dort aus kannst du in das Herz Veronas eindringen, in Straßen mit vielen schönen Geschäften, bis du zur Piazza Erbe kommst (siehe auch "Verona kennenlernen").
Wenn du aber lieber noch weitere „lächelnde“ Personen unserer Stadt entdecken möchtest, biege in die Via Roma ein, halte dich rechts und folge ihr bis zur Piazza Bra. Nun trennen uns nur noch wenige Schritte von einem ganz besonderen Gebäude: dem Museo Lapidario Maffeiano. In diesem Museum befindet sich die Sammlung eines adligen Veronesers, der im 18. Jahrhundert gelebt hat: des Markgrafen Scipione Maffei. Wenn du irgendetwas sammelst - Briefmarken, Sammelbilder, Münzen - kennst du diese Leidenschaft, mit der die Sammler ihre Sammlung immer wieder erweitern und sich neue "Stücke" aneignen wollen. Sie wollen sich immer das besorgen, was noch fehlt und versuchen, diese Dinge durch einen möglichst lohnenden Tausch zu erwerben. Auch Maffei war so ein Sammler. Mehr als 20 Jahre lang suchte und vervollständigte er, was ihn interessierte: antike Grabsteine und andere Objekte wie Statuen und Graburnen, mit Inschriften in den verschiedenen alten Sprachen (besonders auf Griechisch, Etruskisch und Latein). Seine Inschriftensammlung war eine der ersten dieser Art in Europa, die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Mehr als ein Jahrhundert lang gehörte sie für jeden, der die Stadt besuchte, zu den Sehenswürdigkeiten Veronas. Nach und nach ließ das Interesse an der Antike nach und die Sammlung Maffeis geriet in Vergessenheit.
Erst im Jahr 1982 wurde sie komplett neugeordnet und du kannst sie heute im Museum sehen. Wenn du Lust hast reinzugehen, wirst du in den verschiedenen Sälen Grabsteine, Inschriften und andere Fundstücke aus der Stadt und anderen antiken Stätten sehen. Da findest du Inschriften von Griechen, Etruskern, Römern, aus dem Orient, dem frühen Christentum und aus dem Mittelalter. Unter all diesen schau dir ein Gesicht an, das seit 2000 Jahren den Betrachter anlächelt: geh in den griechischen Saal " Sala greca" und suche zwischen all den Inschriften und Skulpturen die Grabstele des Bathyllos. Diese Marmorplatte stand ursprünglich auf dem Grab eines kleinen griechischen Jungen, der im ersten Jahrhundert nach Christus gelebt hat und Gaio Silio Bathyllo hieß. Gaio sitzt, dem Besucher zugewandt, zwischen seinen Eltern, die ihn voller Liebe anschauen.
Zu seinen Füßen kauert ein kleiner Hund. Im Hintergrund liegen zwei Masken auf einem Pfeiler. Vielleicht sollen sie darauf hindeuten, dass die Familie Verbindungen zur Welt des Theaters hatte. Dich überrascht, dass die drei Personen auf der Grabstele ein heiteres und lächelndes Antlitz zeigen? Denk daran, dass die griechisch-römische Welt an ein Leben nach dem Tod glaubte. Deswegen werden die Personen auf ihren Begräbnisstätten häufig mit Gegenständen des täglichen Lebens dargestellt.
Wenn du noch nicht müde bist, kannst du weiter zwischen vielen anderen interessanten Sachen herumsuchen, wie zum Beispiel den Bildern der Brüder Sertorii, die sich in der Vorhalle (dem antiken Bogengang im Hof) befinden oder die zahlreichen Büsten, die in den Seitengängen des Hofs zu sehen sind. Bevor du aber die "Sala greca" verlässt, geh auf die Terrasse, die sich zur Piazza Bra hin öffnet: von dort aus kannst du ein Monument in seinem vollen Glanz bewundern, das du unbedingt besuchen musst: die Arena (siehe auch "Wir treffen uns in Verona“).
Nun sind wir am Ende unseres Rundgangs angekommen…du bist sicher müde? Du kannst dich nun auf einer der Bänke der Piazza ausruhen und einen kleinen Snack zu dir nehmen, oder wenn du nichts mitgebracht hast, kannst du zwischen Eis, Brötchen, Pizzen und verschiedenen Leckereien, die man hier überall findet, wählen. Wir warten schon auf dich für einen neuen Rundgang in unserer Stadt, die nun auch ein bisschen deine ist.
Auf Wiedersehen!