Ein Weg der Kultur und des Glaubens.
Im Mittelalter vereinte die Wallfahrt zwei Bestrebungen, die den Menschen schon immer geprägt haben: auf der einen Seite die Auseinandersetzung mit dem Göttlichen, folglich ein rein spirituelles Bedürfnis, auf der anderen Seite das Verlangen nach Wissen und Erkenntnis, ein charakteristisches Merkmal des Menschen. Diese Reise verband auf tiefgehende Weise Geist und Körper, nährte den einen durch Momente der Meditation und Einkehr an Orten, wo die göttliche Präsenz gespürt wurde, und den anderen durch die Mühen und Gefahren eines langen Weges.
Das letztendliche Ziel dieses langen Abenteuers, das in der Regel zu Fuß unternommen wurde, um eine Gnade zu erbitten oder ein Gelübde zu erfüllen, war das Erreichen wichtiger Ziele für das Christentum, allen voran Rom und das Heilige Land, aber auch Santiago de Compostela. Tausende von Menschen durchquerten also über Monate hinweg die Straßen Europas, gekleidet in den charakteristischen Umhang mit Kapuze, getragen von einem breitrandigen Hut, mit Stab, Tasche und Flasche. Sie erhielten, unabhängig von ihrem sozialen Stand, Unterkunft und Pflege durch ein Netz von kleinen Heiligtümern, Hospitals, Gasthäusern und Herbergen.
Montagnana und ihr Gebiet fügen sich in diesen Kontext ein, da sie seit jeher ein wichtiger Rast- und Erholungsort für die Pilger war. Heute spielt sie erneut und stolz diese entscheidende Rolle als wesentlicher Halt auf dem spirituellen Weg der Romea Strata, einer Reise des Geistes, deren Verlauf nach langen Jahren der Forschung sorgfältig kartiert wurde. Die kleinen Kapellen und Hospitals, die das Gebiet punktieren, boten den Gläubigen Unterkunft, die aus den Baltischen Staaten, Polen, der Tschechischen Republik und Österreich kamen und sich auf den Weg nach Rom machten, um die Gräber der Heiligen Petrus und Paulus zu besuchen. Unter dem Namen „Romea Strata“ vereinen sich die zahlreichen alten Andachtswege, die fünf italienische Regionen durchqueren und eine Gesamtlänge von 1400 km aufweisen; sie führten, nachdem die Apenninen überquert wurden, zur Via Francigena, die zur Hauptstadt des Christentums führte. Eine bedeutende Reise des Geistes, die sowohl damals als auch heute unternommen wird, um das Geheimnis und das Heilige zu suchen oder um die Seele mit Kultur und Schönheit zu sättigen.