Unter der Leitung der Oberaufsicht über die archäologischen Güter Venetiens wurden zwischen 1988 und 2004 unter der Loggia delle Sgarzerie Ausgrabungen durchgeführt, die neben staatlichen Mitteln durch die Fondazione Cariverona finanziell unterstützt wurden. Diese Ausgrabungen brachten einen Teil des unterirdischen Gewölbegangs (Kryptoportikus) ans Licht, der auf drei Seiten das Capitolium umgab, den wichtigsten Tempel der Stadt, der den drei Gottheiten Jupiter, Minerva und Juno gewidmet war.
Erbaut in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr. an der Nordseite des Forums, zeichnete sich der Tempel durch eine 35 m breite Frontseite (mit drei Reihen zu je sechs Säulen), drei Zellen und Säulengängen an den Seiten aus und war etwa 42 m lang. Auf drei Seiten umgab den Tempel ein Säulengang, der auch als Archiv diente. Dieser Säulengang stützte sich auf den Kryptoportikus, der sich auf einer Länge von mehr als 200 m ausdehnte. Durch versetzte Bögen auf 78 Steinpfeilern in zwei 4,5 m breite Schiffe unterteilt und durch ein Tonnengewölbe abgedeckt, war er durch Fenster mit schräg geschnittener Laibung, die auf die darüber liegende Terrasse gingen, nur schwach beleuchtet.
Der Gebäudekomplex blieb bis ins 4. Jahrhundert bestehen, als er mit der Ausbreitung des Christentums und wahrscheinlich nach einem Brand aufgegeben wurde. Rund ein Jahrhundert später begann Theoderich mit dem systematischen Abbau des Gebäudes, um dadurch Baumaterialien zu gewinnen. Der Kryptoportikus wurde weiterhin benutzt, aber um die Wende zwischen dem 7. und 8. Jahrhundert brach der westliche Teil ein; eindringendes Wasser und wahrscheinliche Erdstöße führten zu seinem Zusammenbruch, und daraufhin brach auch ein großer Teil des darüber liegenden Säulengangs ein. In der archäologischen Zone von Corte Sgarzerie ist noch ein beeindruckender Teil des eingestürzten Gewölbes zu sehen.
Bis ins 9./10. Jahrhundert wurde das unterirdische Gebäude als Ablage für Müll und Schutt benutzt. Um eine Wiederaufnahme der Bautätigkeit zu finden, müssen wir bis ins 12. Jahrhundert warten, als im Rahmen des starken Wachstums der Bevölkerung, der politischen und kommerziellen Stärke, die das Zeitalter der Stadtstaaten charakterisierte, die aristokratischen Familien mit ihren Türmen und ihrer Handelstätigkeit sich in dieser Zone niederließen.
In der archäologischen Zone sind die Reste eines unterirdischen Gebäudes (Keller?), eines Eiskellers und eines Wohnturms sichtbar. Die wichtigsten Baumaßnahmen folgen dann im 14. Jahrhundert mit dem Bau der Loggia delle Sgarzarie und im 15. Jahrhundert mit dem Monte di Pietà.