Es wäre schön, wenn Sie, bereits ein schönes Lied singend, Verona erreichen oder gleich diesen Rundgang beginnen: Es ist egal, welches Lied Sie (vielleicht sogar im Chor) singen, aber es sollten Noten sein, die Ihnen eine Vorfreude auf den Tag bereiten.
Aber was muss man eigentlich tun, um Musiker zu werden? Einige sagen, dass man schon mit einer besonderen Gabe geboren wird; wir sind uns aber alle einig, dass es dennoch unumgänglich ist, für den Erwerb der Grundlagen zur Schule zu gehen und fleißig zu üben. So beginnen wir unseren Rundgang an der wichtigsten Musikschule, am Konservatorium Evaristo Felice Dell'Abaco, im Herzen der Stadt in der Via Abramo Massalongo 2. Die Geschichte des Konservatoriums beginnt im Jahre 1878, als ein Adelsherr eine Schule für Streichinstrumente gründete (für Instrumente, die man mittels eines Bogens spielt, wie die Violine, die Viola oder das Violoncello) und es nach und nach für weitere Instrumente öffnete. Seit 1951 ist sein Sitz der Palazzo Giuliari, welcher auf den Resten des Konvents der nahegelegenen Basilika Santa Anastasia des 13. Jahrhunderts erbaut worden ist. Es ist nicht möglich das Konservatorium zu besuchen, da es sich um eine gewöhnliche Schule handelt. Dennoch ist es möglich den Kreuzgang des Gebäudes zu betrachten, in dem im Sommer wunderschöne Konzerte gespielt werden. Seit 1964 beheimatet auch ein anderer namhafter Palazzo Musikstudenten: Das Casa Boggian in der Stradone San Fermo 28, ein berühmter Kultursalon Veronas, welcher bereits große Musiker, wie Arthur Rubinstein, Nicanor Zabaleta, Arturo Benedetti Michelangeli und viele andere, zu Gast hatte.
Unweit des Konservatoriums, befindet sich die Basilika von Santa Anastasia, welche 1290 auf den Überresten einer gotischen Kirche erbaut wurde. Neben den wunderschönen Kunstwerken, die sie im Inneren beherbergt, ist sie auch eine ,,musikalische“ Kirche: Sie besitzt eine antike Orgel und einen Glockenturm von 73 Meter Höhe, in welchem bereits 1460 die ersten fünf Glocken in der Tonart Es-moll erklangen. Die jetzige neuen Glocken aus Bronze haben die Tonart C-Dur (die größte wiegt 1787kg!). Die Scuola Campanaria/Glockenspielerschule, welche 1776 in Santa Anastasia gegründet wurde, ist die wichtigste in Verona auf dem Gebiet der Klangkunst. (An dieser Stelle gehen Sie einfach weiter oder…gehen sie zum "PLAN B" über).
Während wir an der Piazza Erbe vorbeigehen und die Via Trota entlang gehen, erreichen wir von Santa Anastasia aus die Piazza Francesco Viviani, wo sich das Teatro Nuovo befindet. 1846 nach den eleganten Linien des Neoklassizismus durch den Architekten Enrico Storiari erbaut, wurde dieses Theater durch eine in Verona nie zuvor aufgeführte Oper, Attila von Giuseppe Verdi, zusammen mit dem Ballett Die Illusionen eines Malers eingeweiht.
Auch wenn es für Opern konzipiert worden war, wurde das Schauspielhaus ab 1949 nur für Theateraufführungen genutzt: Komödien, Dramen und Rezitationen. Das schöne Gebäude mit einem Säulengang aus weißem und grauem Stein teilt sich auf seiner Rückseite den Standort mit Häusern des 14. Jahrhunderts, unter ihnen die berühmte Terrasse der Julia. Im Teatro Nuovo befindet sich eine Schauspielschule für Groß und Klein; besonders für die ganz Kleinen stehen vorteilhafte Tickets zur Verfügung.
Sie erreichen nun die Via Mazzini direkt hinter dem Theater und gehen weiter in Richtung Piazza Brà: Nach einer endlosen Reihe schöner Geschäfte, befinden Sie sich direkt vor dem großen römischen Amphitheater. Für drei Monate im Sommer wird die Arena zu einem riesigen Veranstaltungsort für Opernmusik (um mehr über die Arena zu erfahren, wählen Sie den Rundgang "Verona kennenlernen"). Begeisterte aus aller Welt reservieren schon weit im Voraus ihre Plätze, um diese wundervollen Spektakel, die aus Musik, Gesang, Ballett und großen Bühnenaufführungen bestehen, nicht zu verpassen: Aida, Carmen, Turandot und Der Troubadour…alle zusammen ergeben ein großes lebhaftes Bild. Auch die ,,göttliche“ Maria Callas hat in diesem enormen Amphitheater ihre "Heiligsprechung" erhalten, in dem sie hier im Jahre 1946 La Gioconda gesungen hat. Sie war damals erst 23 Jahre alt, aber nach Tullio Serafin eine "mutige junge Frau mit einer gigantischen Stimme".
Immer noch auf der Piazza Brà, aber auf der gegenüberliegenden Seite der Arena vor dem Eingang in die Via Roma, befindet sich das Teatro Filarmonico . Seine Geschichte reicht weit in die Vergangenheit: Bereits in der Mitte des 16. Jahrhunderts errichtete eine Gruppe von Akademikern ein Studienzentrum für Musik und Gesang (zusammen mit natur- und humanwissenschaftlichen Fächern, wie es für die Zeit üblich war). Erst im 18. Jahrhundert überzeugte der große Veroneser Wissenschaftler Scipione Maffei die Akademie, ein Theater (im Stile des berühmten Bologneser Architekten Francesco Bibiena) und das Museo Lapidario Maffeiano zu bauen. Beide befinden sich neben der Sala Maffeiana, welche ebenfalls der Musik gewidmet ist. Leider zerstörte ein Brand circa 20 Jahre später das Theater. Es wurde 1754 wiedererrichtet und neu eingeweiht. Auch der junge Mozart gastierte zwischen 1770 und 1772 in den Sälen dieses Theaters. In dieser Zeit entstand auch das ständige Orchester des Theaters, das Orchestra dell'Accademia. Das Theater wurde während der Bombardierungen von 1945 erneut zerstört; es fand aber zu Beginn der 70er Jahre die Kraft "wiederaufzuerstehen".
Der Spielplan des Teatro Filarmonico bietet das ganze Jahr über musikalische Unterhaltung: Vor allem Sinfoniekonzerte, Opern und Ballettvorführungen aber auch weitere Veranstaltungen.
Die Accademia Filarmonica besitzt auch eine ansehnliche Bibliothek (der Eingang befindet sich bei der Via di Mutilati auf der gegenüberliegenden Seite zur Via Roma), die einige wertvolle Schätze beherbergt: Alte Manuskripte, Ausdrucke, Madrigale, seltene Instrumente, Briefe, Skizzen und Schallplatten.
Wenn Sie nun der Via Roma folgen und in die erste Kreuzung links einbiegen, laufen Sie einen Teil der Via Marconi ab, um dann auf ihrer Rechten das Teatro Ristori vorzufinden: Dort befindet sich dieses kleine, wenn auch bedeutsame Theater, welches erst kürzlich renoviert worden ist.
Totò, Petrolini, Wanda Osiris, Gino Cervi, Walter Chiari, Roberto Benigni und viele andere berühmte Schauspieler haben bereits auf dieser Bühne gestanden. Es wurde 1837 eröffnet und erhielt 1856 den Namen der großen Schauspielerin Adelaide Ristori. Für 150 Jahre beheimatete das Theater jegliche Art von Vorstellungen. Es wurde allerdings 1983 geschlossen, da es nicht mehr den aktuell erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen entsprach. Im Jahre 2001 wurde das Theater von der Stiftung Cariverona erworben, die es nach einer Restaurierung und einer Modernisierung der technischen Erfordernisse der Stadt zurückgab. Dabei wurde der Charme und die Anmut seiner ursprünglichen Form beibehalten.
Wenn Sie noch nicht allzu müde sind oder wenn Sie einfach einen "Plan B" wünschen, führen wir an dieser Stelle unseren Rundgang weiter bis zur Basilika Santa Anastasia, gehen hinter der Kirche vorbei und über die Ponte Pietra und erreichen schließlich das Teatro Romano (Für weitere Informationen zu dieser Sehenswürdigkeit, lesen Sie die Beschreibung zum Rundgang "Über den Fluss").
Über den Charakter eines außerordentlichen archäologischen Fundortes hinaus, bietet das Teatro Romano im Sommer zudem einen fantastischen musikalischen Querschnitt: Ein Jazzmusik-Festival, Ballett, Stücke von Shakespeare, Goldoni und anderen antiken und modernen Autoren, sowie auch faszinierende Vorführungen der Tanz-Illusionisten Momix. Am Tag, sowie auch zu allen Jahreszeiten, ist es auf jeden Fall lohnenswert, den Zuschauerbereich des Teatro Romano unmittelbar vor der Bühne zu besuchen, hinter der die Etsch entlang fließt. Hier kann man sich regelrecht die antiken Aufführungen mit Schauspielern in langen Togen, Masken und altertümlichem Schuhwerk vorstellen.
Um diesen "musikalischen" Rundgang abzuschließen, begeben wir uns nun zur nahegelegenen Kirche Santa Maria in Organo.
Die Ursprünge des schönen Gebäudes im romanischen Stil reichen weit in die Vergangenheit zurück: Es handelt sich um eine Basilika, die zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert n. Chr. erbaut wurde. Aus dieser Zeit ist nur noch die Krypta bestehen geblieben, da ein Erdbeben die Kirche einst zerstört hatte. Sie wurde erst 1117 wieder aufgebaut. Am Ende des 15. Jahrhunderts wurden unter Giovanni da Verona, einem großen Intarsienkünstler, wunderschöne Holzdekorationen realisiert (wahre "Gemälde" geschaffen aus Einlegestücken aus Holz), die man noch heute im Chorgestühl der Kirche bewundern kann: Auf einigen sind Musikinstrumente abgebildet, da die Kirche wahrhaftig eine musikalische Veranlagung besitzt. Die Orgel, eine der ältesten in Verona, wurde im Jahre 1506 von Maestro Nicola gebaut; der Glockenturm birgt sechs Glocken, welche in der Tonart Es-Dur gestimmt sind: Dort hatten die meist prämierten "Glockenspielermannschaften" ihren Sitz. Bereits im Jahre 1534 besaß die Kirche fünf Glocken in der Tonart Fis-Dur; der erste Fünfklang aus Bronze der italienischen Halbinsel! Einst wurde die Kirche an einem Seitenarm der Etsch erbaut. Nur wenige wissen, dass der Name Santa Maria Organo von einer hydraulisch betriebenen Anlage stammt, die von den Römern realisiert wurde: Sie besitzt einen Turm der mit Statuen verziert ist. Diese bewegen sich allein durch die Kraft des Wassers, welches durch Marmorsäulen verschiedener Größen geschleust wird...fast wie "Orgelpfeifen" die eine Melodie von sich geben und aus denen sich dann das Wasser in eine Fontäne verwandelt.
Mit diesem Wunderwerk verabschiedet Sie die Stadt Verona und lädt Sie zu einem weiterem gemeinsamen Tag ein, an dem wir in die Schönheit und in das Vergnügen der Stadt eintauchen...Auf Wiedersehen!